Beten mit HildegardKirche
auf dem Weg Barmherziger Vater, auf die Fürsprache der heiligen
Hildegard bitten wir dich für deine ganze heilige Kirche. Erfülle
sie mit Wahrheit und mit Frieden. Reinige sie, wo sie verdorben ist. Bewahre
sie vor Irrtum. Richte sie auf, wo Kleinglauben sie niederdrückt. Beschenke
sie, wo sie Mangel leidet. Stärke aber und kräftige sie, wo
sie auf deinem Weg ist. Gib ihr, was ihr fehlt, und heile den Riß, wo
immer sie zerteilt und zerstreut ist, du heiliger Herr deiner Gemeinde. Um
Jesu Christi, unseres Herrn und Heilands willen. Amen. Fürbitten
Gott,
unser Schöpfer, wir loben Dich für Deine wunderbare Schöpfung und
preisen Dich für alles, was Du an uns und unserer Mitschöpfung Gutes
getan hast. Lehre uns den rechten Umgang mit allem, was Du uns anvertraust. Falle
uns in den Arm, wo wir Deine guten Ordnungen zerstören und hilf uns, Deine
Schöpfung zu achten und zu bewahren. Schenke uns Tatkraft, daß
wir zupacken, wo wir helfen können. Gott, unsere himmlische Mutter, wenn
Du Deine Hand auftust, so werden Mensch und Tier mit Gutem gesättigt. Mache
uns zu Dienerinnen und Dienern Deiner Güte. Schenke uns Ehrfurcht vor
allem Leben, Pflanzen, Tieren und Menschen. Gott Sohn, unser Bruder. In
Dir leuchtet die gute neue Schöpfung auf. In Deinem Licht erkennen
wir, wie wir Deine Schöpfung mißbrauchen Hilf uns, unsere Freiheit
recht zu gebrauchen, damit nicht noch unsere Kindeskinder die Früchte unseres
sorglosen Umgangs mit Deiner Schöpfung ernten. Gott, Heiliger Geist, Schenke
uns ein hörendes Ohr, ein liebendes Herz und einen verständigen Geist: Verschaffe
allem, was stumm zum Himmel schreit, Stimme und Gehör! Bewahre uns davor,
endgültig zu verzweifeln und bestärke uns in der Hoffnung, daß
Du die Welt heilen und neu machen wirst. Dreieiniger Gott. Erhöre unser
Bitten, Dir zum Lob, Deiner Schöpfung zum Wohl und auch uns selbst zum
Heil. Amen. Unterwegs zu dir
Aus Städten und
Dörfern sind wir unterwegs zu dir. Aus Tälern und Bergen sind
wir unterwegs zu dir. Aus Nah und Fern sind wir unterwegs zu dir. Mit
Schwestern und Brüdern sind wir unterwegs zu dir. Rastlos und suchend sind
wir unterwegs zu dir. Krank und einsam sind wir unterwegs zu dir. Alt
und behindert sind wir unterwegs zu dir. Als Boten der Gerechtigkeit
und des Friedens sind wir unterwegs zu dir. Als Zeugen deiner Liebe sind
wir unterwegs zu dir. Als Kinder des lebendigen Lichts sind wir unterwegs
zu dir. Wenn wir ein offenes Ohr haben sind wir unterwegs zu dir. Wenn
wir hören auf die Botschaft der Propheten sind wir unterwegs zu dir. Wenn
wir sehen, was du uns zeigen willst, sind wir unterwegs zu dir. Wenn
wir gemeinsam dein Lob singen, sind wir unterwegs zu dir. Wenn wir ganz
da-sind vor dir, bist du immer schon da, mitten unter uns. Amen. Sieh
deine Hände an
Sieh deine Hände an - oft betriebsam, unruhig. Sie
öffren sich, heilendes Öl zu empfangen. Sie kommen zur Ruhe. Sieh
deine Hände an - vielfach gezeichnet von den Verletzungen des Lebens,
geschunden, müde. Sie öffnen sich, heilendes Öl zu empfangen und
weiterzugeben. Sie werden heilen. Sieh deine Hände an - oft
geballt in Wut, Empörung. Sie öffnen sich, heilendes Öl zu
empfangen und weiterzugeben. Sie werden segnen. Morgengebet
Herr
unser Gott, auf die Fürsprache der heiligen Hildegard bitten wir dich: Laß
uns Kinder des Lichts sein, Kinder des Tages; nicht der Nacht laß uns gehören
und nicht dem Dunkeln. Steh uns bei, daß wir die Zeit nicht verschlafen,
sondern wachsam sind, nüchtern und bereit. Beim aufgehenden Morgenlicht
preisen wir dich, o Herr, denn du bist der Erlöser der ganzen Schöpfung.
Schenk uns in deiner Barmherzigkeit einen Tag, erfüllt mit deinem Frieden.
Laß unsere Hoffnung nicht scheitern und hilf uns, unseren Pilgerweg des
Lebens mutig zu beschreiten. Verbirg nicht dein Angesicht vor uns. In deiner sorgenden
Liebe trage uns und begleite uns durch diesen Tag. Darum bitten wir durch Christus,
unseren Herrn. Amen. Tischgebet
Vater, wir leben
von deinen Gaben. Segne das Brot, das wir auf unserem Pilgerweg essen. Gib
uns die Kraft, von dem, was wir haben, anderen zu geben, die in Not sind. Stärke
und erneuere uns aus deiner Gnade. Darum bitten wir durch Christus, unseren
Herrn. Amen. Abendgebet
Vater, wir danken dir für
diesen Tag, an dem wir dir unter der Führung der heiligen Hildegard begegnen
durften. Deine Hand war über uns und hat uns behütet und bewahrt. Vergib
allen Kleinglauben, alle Lieblosigkeit und alles Unrecht dieses Tages und hilf
auch uns, allen zu vergeben, die uns Unrecht getan haben. Laß uns im Frieden
und unter deinem Schutz heimkehren und das, was wir heute eauf unserem Pilgerweg
erfahren durften, dankbar bewahren. Darum bitten wir dich durch Christus, unseren
Herrn. Amen. Für die Ordensleute und um geistliche Berufe
Herr,
unser Gott, du berufst immer wieder Frauen und Männer, alles zu verlassen,
um dir allein nachzufolgen. Bestärke die Ordensleute in der Treue zu ihrer
Berufung und gib auf die Fürsprache der heiligen Hildegard, daß auch
heute junge Menschen entschlossen dem Ruf deiner Liebe folgen. Wecke in ihnen
das Verlangen, vollkomen nach dem Geist des Evangeliums zu leben und dir und den
Menschen zu dienen. Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Herrn. Amen. Tagesgebete
am Fest der heiligen Hildegard
Gott, du hast in der heiligen Jungfrau
und Äbtissin Hildegard das Verlangen geweckt, deine erhabene Größe
allezeit liebend zu betrachten und zu preisen. Schenke uns auf ihre Fürsprache
Wachstum in der geistlichen Erkenntnis und bestärke uns in der Treue zu dem
Leben, das wir gelobt haben. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen. oder Gott,
du Quelle des Lebens und der Weisheit, du hast die heilige Hildegard mit
prophetischem Geist erfüllt. Hilf uns, nach ihrem Vorbild über deine
Wege nachzudenken und deiner Führung zu folgen, damit wir im Dunkel
das Licht deiner Klarheit erkennen und wach sind für den Augenblick,
wo du uns begegnen willst. Darum bitten wir dich durch Jesus Christus
.... Gabengebete am Fest der heiligen Hildegard
Herr, unser
Gott, nimm die Gaben an, die wir dir darbringen, und mache das heilige Opfer in
uns wirksam. Befreie uns nach dem Vorbild der heiligen Hildegard von der Änhänglichkeit
an das Irdische und laß das neue Leben der Gnade in uns wachsen. Darum bitten
wir durch Christus, unseren Herrn. Amen. oder Gott, mit diesen
Gaben bringen wir unsere Wünsche vor dich hin. Fülle du unsere leeren
Krüge mit dem Öl deiner Liebe und rufe uns zum Hochzeitsmahl, dem
du uns eingeladen hast, jetzt und alle Tage bis in Ewigkeit. Amen. Schlußgebete
am Fest der heiligen Hildegard
Ewiger Gott, der Empfang deines Leibes
und Blutes Christi lenke unseren Sinn von den vergänglichen Dingen auf das,
was bleibt. Gib, daß wir nach dem Beispiel der heiligen Hildegard in aufrichtiger
Liebe unsere Lebensaufgabe erfüllen und einst zur ewigen Anschauung deiner
herrlichkeit gelangen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen. oder
Allmächtiger guter Gott, du hast uns teilnehmen lassen am Hochzeitsmahl
deiner Liebe und hast uns einen Vorgeschmack gegeben von dem, was auf uns wartet. Segne
uns auf die Fürsprache der Hildegard und gib uns einen wachen Blick für
deine Gegenwart mitten in unserem Leben, durch Christus unseren Herrn. Amen. Gott,
liebender Helfer zum Guten Mein Gott, du hast mich geschaffen, ich
lebe durch dich und trachte nach dir, wenn ich mit Seufzen das Gute erflehe. Ich
kenne dich ja als meinen Gott und weiß nur, daß ich dir dienen
darf, denn du hast mir Einsicht gegeben. O du mein Helfer bei allem Guten, durch
dich vollbringe ich gute Werke. Auf dich will ich all meine Hoffnung werfen und
mich bekleiden mit deiner Huld. Lob der Schöpfung O wahrer
Gott, welch große Geheimnisse hast du in deinen Geschöpfen gestaltet
und dem Menschen, deinem großen Kunstwerk, untergeordnet. Du hast
die Kräfte deiner Allmacht schöpferisch entsandt; du hast das herrliche
Dach mit seinen Fenstern, das Firmament mit seinen Leuchten, geschaffen. An
ihm hast du die Sonne festgemacht, die mit ihrem Licht alles über der
Erde und unter der Erde erleuchtet.
Ihr sind die übrigen Leuchten
verbunden, und wie diese durch die Sonne leuchten, so gehorchen dir alle
Geschöpfe. In dir und durch dich leben sie alle. Durch deine Liebe
ist alles geschaffen; denn du, ewiger Gott, bist die wahre Liebe. Wort
des Vaters O Wort des Vaters, Licht Du der frühen Morgenröte, Du
ruhest im Kreisen des Rades, da Du rundum am Werk bist in göttlicher Macht. Du,
im vorausschauenden Geiste der Gottheit, hast all Deine Werke zuvor schon erschaut, so
wie Du sie gewollt. Inmitten Deiner Macht lag verborgen all Dein Wissen
vor aller Zeit.
Und so bist Du am Werk: gleichsam im Bild eines Rades, das
alles umkreist, das weder den Ursprung kennt noch auf ein Ende hin weist." Urkraft
aus Ewigkeit O Urkraft aus Ewigkeit Geordnet hast Du in Deinem
Herzen das All. Alle die Dinge der Welt, so wie sie da sind, wie Du sie
gewollt, Du hast sie geschaffen, aus Deinem Wort." Das lebendige
Getier im Wasser und am Himmel, Du hast es geschaffen. Nach deinem Bilde
hast Du geformt den Menschen, als Mann und Frau. Werk aus Gottes
Hand" - o Mensch du - erschaffen in hoher Heiligkeit, da die Gottheit,
die heilige, in ihrer Demut die Himmel durchdrang. O wie so groß
ist die Güte: daß der Gottheit Leuchten nun aufstrahlt im irdischen
Urstoff - daß da die Engel, die dienen in Gott, erschaun die Menschlichkeit
Gottes!" Wege zum Licht Zwei Augen hast du, o Gott, mir
gegeben, im Dunkeln ein herrliches Licht zu schauen, zu wählen den
Weg, den ich gehen soll. Bin ich nun sehend oder auch blind, ich weiß,
daß ich einen Führer brauche zum Tage hin und auch zur Nacht. Wenn
ich mich im Finstern verberge, kann ich auch Dunkles tun; im Licht aber
werde ich gesehen und zieh statt Belohnung mir Strafe zu, wenn ich
es tue. Lebendiger Gott, ich rufe dich an, führ mich den Weg
des Lichts und heile meine bösen Geschwüre, damit ich am Tage
mich nicht schämen muß; zerreiße die Stricke meiner Gefangenschaft! Der
barmherzige Gott O Herr, ich erkenne deine Güte: Ich ward nicht
getötet ob meiner Sünden, du ließest mir meine Freiheit. Und
im Kampf gegen mich selbst vollbringe ich Gutes. Du urteilst stets gerecht und
überschreitest nie das Maß. Du schonst mich barmherzig in deiner
Macht. Ich neige mich deshalb vor dir und gebe die Ehre deinem Namen um
deiner Barmherzigkeit willen. Schmerzliche Pilgerschaft Ich
irre umher im Schatten des Todes als Pilger im fremden Land; mein Trost ist
das Ziel der Wanderschaft. Wo bin ich, wie kam ich hierher? Wer tröstet
mich in der Gefangenschaft? Wie kann ich diese Ketten zerreißen? Wer
schaut wohl nach meinen Wunden wer salbt sie mit Öl und erbarmt sich? 0
Himmel, erhöre mein Rufen, du Erde bebe vor Trauer mit mir! Ein Fremdling
bin ich ohn Trost und Hilfe. Klagegebet Vater, ich habe
gesündigt gegen den Himmel und gegen mich, das himmlische Werk, das
ich bin. Von dir gebildet, berührt von dir, hätte ich himmlisches
wirken müssen. Doch weil ich zerstörte die Menschennatur, sündigte
ich auch vor dir. Selbstverschuldet ist mein Verderben, ich bin nicht
mehr würdig, dein Kind zu heißen, weil ich deine Schöpfung
in mir ihrem von dir gesetzten Ziele eigenmächtig entfremdet habe." Du
Tröster Geist O Feuer-Geist, Du Tröster Geist, Du lebst
in allem, was lebt. Heilig bist Du, der Du Lebendiges bildest. Heilig bist
Du: Du heilest, was da gebrechlich oder im Elend. Du salbst die Verletzten. Heilig
bist Du: Du hast gewaschen die schwärenden Wunden O Geisthauch voll
Heil und Heiligkeit! O Feuerbrand der Liebe! O Lust des Herzens und
Herzenserguß im süßen Dufte der Tugend! O Quell der Lauterkeit, in
dem sich spiegelt, wie Gott das Fremde sammelt und heimholt, was noch verloren. O
Schutzwehr des Lebens, Du läßt alle Glieder hoffen auf Einung. Du,
o Gürtel der Würde, heilige und heile die Seligen! Sei Schutz
und Schirm für alle, die der Feind gefangen, mach frei, die noch in
Fesseln bangen! Will Gottes Huld doch das Heil und nichts als das Heil! O
Feuer-Geist, Du Tröster Geist, Du lebst in allem, was lebt. Lob
sei dir! - Amen O heilsamer Weg O heilsamer Weg, der kraftvoll
sich Bahn bricht! Alles durchdringst Du: die Höhen, die Tiefen, den
Abgrund- Du fügest und bindest alles in eins! Durch Dich wogen
die Wolken, wehen auf die Lüfte - die Steine träufeln vom Saft, Quellen
sprudeln hervor, durch dich quillt aus Erden das erfrischende Grün. Darum
sei Lob Dir, Du Klang allen Lobens, Du Freude des Lebens voll Hoffnung und
Kraft, voll des Rühmens, da Du uns schenkest die Gaben des Lichts! Wege
zum Heil Lehre mich, Gott, im Heiligen Geist deine Wege zu gehn, zu
empfangen die Speise des Lebens, die du den Gläubigen reichst zur Erwählung
und Heiligung. In die höchste Glückseligkeit nimm mich dann
gütig auf, laß mich ruhen in deinem Schoß. Sehnsucht
nach dem Himmel Im Himmel ist meine Heimat, dort begegne ich auch
den Geschöpfen; Gottes Liebe ist mein Verlangen, den Turm der Sehnsucht
will ich errichten. Was du, Gott, willst, das will ich tun. Mit den Flügeln
des guten Willens fliege ich über des Himmels Gestirne, um deinen Willen
zu tun. Nichts mehr bleibt mir zu suchen und zu wünschen, ich sehne
mich nur noch nach Dir. Laß mich, o Gott, dein Saitenspiel sein und
der Zitherklang deiner Liebe. Himmlisches Glück Wenn ich
mit offenen Augen betrachte, was du, mein Gott, geschaffen hast, besitze
ich hier schon den Himmel. Ruhig sammle ich im Schoß Rosen und
Lilien und alles Grün, während ich deine Werke preise. Lob
der Weisheit O Kraft der Weisheit, du zogst deine Bahn umfingst
das All auf dem einzigen Weg, der zum Leben führt. Drei Kräfte
hast du, Flügeln gleich: Zur Höhe empor schwingt sich kraftvoll der
eine, von der Erde her müht sich der zweite, und allüberall schwingt
der dritte. Lob sei dir, Weisheit, würdig bist du allen Lobes! Gottes
Vorausschau Wie wunderbar ist doch das Wissen im Herzen der Gottheit, das
von Ewigkeit her jedes Geschöpf hat erschaut. Denn Gott, da er blickte
ins Antlitz des Menschen, den er gebildet, er sah all sein Werk in dieser
Menschengestalt. Wie wunderbar ist dieser Hauch, der also den Menschen erweckte. An
Maria O lichte Mutter der heiligen Heilkunst, durch deinen heiligen
Sohn hast Salböl du gegossen in Wund und Wehe des Todes. Den Tod hast
du vernichtet und aufgebaut das Leben. Bitt deinen Sohn für uns, du
Meeresstern, Maria! Mittlerin des Lebens und Freude voll Glanz, Köstlichkeit
jeglicher Wonnen, die allzeit dir eigen. Bitte deinen Sohn für uns, du
Meeresstern, Maria! Dem Vater sei die Ehre, dem Sohn und dem Heiligen
Geist. Der Heilige Geist Der Heilige Geist ist lebensspendendes
Leben, Beweger des Alls und Wurzel allen geschaffenen Seins, er reinigt
das All von Unlauterkeit, er tilgt die Schuld und salbt die Wunden, so ist
er leuchtendes Leben, würdig des Lobes, auferweckend und wiedererweckend
das All. Die Liebe Von der Tiefe bis hoch zu den Sternen überflutet
die Liebe das All, sie ist liebend zugetan allem, da sie dem König,
dem höchsten, den Friedenskuß gab.
MeditationstexteGESPRÄCH
MIT HILDEGARD VON BINGEN Man müßte Flügel haben rundum
voll Augen in denen noch die Träne der Sehnsucht steht wie eine
verborgene Pforte im kreisenden Rad des Ewigen Man müßte erzittern
können wie eine Harfe die der Wind im Vorübergang zärtlich
berührt - wie eine Posaune den Ton eines anderen blasen in den Straßen
der Stadt daß sich die Wächter die Augen reiben vor dem blendenden
Licht das zu tönen beginnt. Ich möchte knistern wie Holz im
wachsenden Feuer dessen Flamme nicht schweigt weil die Glut schon am Werke
ist Du kniest in den frischen Wunden der Messe - vor denen der Engel
ins Schweigen sinkt - und funkelst wie edles Gestein in der Sonne nicht
wissend daß du dem Mund der Erde den Kuß ihres Schöpfers
schenkst. Erblühen wirst du wie eine Rose die nicht den Schatten fallender
Blätter kennt weil aus der Umarmung sie lebt. Spiegelnde Fläche in
der mein Geliebter sein Antlitz findet wie Duft aus feinsten Gewürzen. Ich
möchte trinken vom Quell der aus dem Herzen des Vaters entspringt und
offene Erde betaut mit Fülle von Frucht... ,,Ich bin die Blume des
Feldes" spricht das lebendige Licht - ,,mein ist das Werk". Wir
tauchen unter im schäumenden Meer der Kräfte des Himmels die bauen
die Mauern der goldenen Stadt mit Straßen aus Feuer und Glas. Wie
Kinder in Einfalt durch Fenster des Glaubens schauen die Nasen fest an die
Scheiben gedrückt und sprechen ein verwunderliches 0. ,,Wie gut
- O wie gut ist doch Gott". Wir - Klumpen von Erde - wachen im Herzen
des Vaters auf wie unter den warmen Flügeln der Henne genug ist's zu
lieben zu schauen und zu umarmen. Wie der Flaum einer kleinen Feder -
nicht zu besiegen vom Schwert - möchte ich tanzen im Wind der eigenen
Schwere bar gehalten nur von den Händen Gottes. |